Evangelischer Arbeitskreis
der CDU in Niedersachsen

Der EAK-Landesvorstand trauert um sein langjähriges Mitglied Albert Rathjen

Trauerrede für Albert Rathjen von Dr. Marco Mohrmann MdL

Pella-Gemeinde Farven


Liebe Margarethe und Angehörige,

liebe Gemeinde,

liebe Freundinnen und Freunde,

liebe Weggefährten.


Wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Albert Rathjen -

einem Menschen, der über viele Jahrzehnte Verantwortung getragen hat.

Mal lauter, mal stiller, aber immer verlässlich und immer mit Haltung.

Ich spreche heute zu Ihnen als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Rotenburg.

Vor allem aber spreche ich als jemand, der Albert Rathjen über viele Jahre persönlich begleiten durfte - vor allem aber von ihm begleitet wurde.

Albert Rathjen ist im 85. Lebensjahr verstorben.

Mit ihm verliert Margarethe ihren Ehemann.

Diese Gemeinde verliert ein engagiertes Mitglied.

Und viele von uns verlieren einen Ratgeber, einen Freund und einen Menschen, auf den man sich stets verlassen konnte.

Albert hat sich nie selber besonders in den Mittelpunkt gestellt.

Und schon gar nicht hat er sonderlich viel über sich selber gesprochen.

Ihm ging es stets um die Sache - und um den Dienst an den Mitmenschen und dabei war er immer im Glauben fest verwurzelt.

In dieser Haltung war er vorbildlich, und diese Einordnung darf ich hier vornehmen, ein Christdemokrat im besten Sinne.

Vielleicht ist das der Grund, warum heute so viele sagen können:

Er hat mich geprägt. Er hat mich begleitet. Er hat mich ernst genommen.

Als Lehrer an der Berufsschule in Bremervörde und vor allem am Fachgymnasium Landwirtschaft hat er Generationen junger Menschen ausgebildet.

Und immer wieder treffe ich Menschen, die erfolgreich Betriebe führen oder auch in anderen Positionen mit viel Verantwortung stehen, die mir dann im weiteren Gesprächsverlauf sagen: "Übrigens, ich war auch bei Albert!"

Bildung war für ihn mehr als Wissensvermittlung.

Es ging ihm um Verantwortung, um Leistungsbereitschaft und um die Fähigkeit, selbstständig zu denken.

Und so hat er ein großes Netzwerk von ihm selber ausgebildeten Menschen aufgebaut, die wiederum Spuren hinterlassen.

Ich selbst durfte Albert zunächst als Klassenlehrer erleben und habe 1993 das Abitur bei ihm gemacht.

Und aus diesem Verhältnis wurde über die Jahre eine enge Verbindung.

Ich darf sicherlich sagen, dass Albert für mich ein politischer Ziehvater war.

Er hat mich gefördert – aber auch nie geschont.

Seine Hinweise waren klar, zuweilen auch unbequem.

Und genau deshalb so wertvoll.

Darauf bin stolz, aber vor allem bin ich dafür dankbar.

Seine oft sonntäglichen Anrufe begannen nicht selten mit: "Marco, es steht mir nicht zu, Dir Ratschläge zu geben, aber ich sage Dir ...". Um dann noch gerne anzufügen, dass es ja nur ein "Denkanstoß" sei.

Das wird mir fehlen.

Und ebenso wird fehlen, wie geschickt er immer bekannte historische Persönlichkeiten in seine Ausführungen einbaute.

Albert studierte mit großer Hingabe prägende Persönlichkeiten der deutschen Geschichte und trug ihre Ideen mit Begeisterung weiter. Besonders verbunden fühlte er sich Martin Luther, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Otto von Bismarck und Johann Heinrich von Thünen, einem der bedeutendsten Denker der Agrar- und Sozialwissenschaften, ich erinnere an die Thünschen Kreise.

Dass letzterer Namensgeber der berufsbildenden Schulen in Bremervörde wurde, ist maßgeblich Alberts persönlichem Einsatz zu verdanken, den er recht entschlossen vertreten hat.

So war es nur folgerichtig, dass er zu den treibenden Kräften des 150-jährigen Jubiläums der BBS gehörte. 

Die Entwicklung von der Ackerbauschule zu einer modernen Berufsschule lag ihm sehr am Herzen – umso schöner, dass er dieses Jubiläum noch miterleben und als Zeitzeuge davon berichten konnte.

Vor allem aber prägten Alberts Glaube und seine Haltung sein politisches Engagement.

1974 trat Albert Rathjen in die CDU ein.

Früh übernahm er Verantwortung - im Stadtrat und als stellvertretender Bürgermeister.

Besonders die Schulpolitik lag ihm, dem späteren Studiendirektor, am Herzen.

Nicht abstrakt, sondern ganz konkret:

weil Bildung für ihn der Schlüssel zu Teilhabe und Zukunft war.

Über viele Jahre stand Albert Rathjen an der Spitze des CDU-Kreisverbandes Rotenburg.

Er hat diese Aufgabe nicht als Machtposition verstanden, sondern als Dienst.

Seine Ernennung zum Ehrenkreisvorsitzender im Jahre 2011 war konsequent und folgerichtig, mitgearbeitet hat er bis zum letzten Tag.

Und uns dabei begleitet, ermutigt, zusammengeführt.

Und er hat Menschen Raum gegeben, Verantwortung zu übernehmen.

Neben der Landwirtschaft galt sein besonderes Engagement dem ländlichen Raum - seiner Entwicklung, seiner Lebensqualität und den Menschen, die hier leben.

Als überzeugter Christ gründete Albert Rathjen 1981 den Evangelischen Arbeitskreis der CDU.

Ein Engagement, das er über Jahrzehnte geprägt hat - bis zu seinem Tod.

Seine letzte Veranstaltung im Rahmen des EAK war erst im Oktober zum 35. Jahrestag der deutschen Einheit mit einer hervorragenden und gut besuchten Veranstaltung, natürlich im ... wie könnte es anders sein ... Hotel Daub in Bremervörde.

Sein Glaube war keine Nebensache.

Aber er war auch nicht laut.

Nicht belehrend.

Sondern verlässlich.

Alberts Glaube war sein innerer Kompass für sein Handeln.

Im Kolosserbrief heißt es:

"Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet."

Wer Albert Rathjen gekannt hat, der weiß, dass es dieses Bibelwort genau beschreibt.

Denn so hat er gearbeitet.

Mit Disziplin.

Mit Hingabe.

Und mit der festen Überzeugung, dass seine Arbeit Dienst am Menschen ist.

Bis in seine letzten Tage hinein hat er sich eingebracht, mitgedacht, mitgearbeitet.

Sein vielfältiges Engagement ist kaum zu ersetzen. Er wird fehlen.

Und wir werden uns an ihn auch immer als Institution erinnern, die irgendwie immer da war.

Für sein außerordentliches politisches und gesellschaftliches Wirken wurde Albert Rathjen 2006 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Er selbst hat darüber nie viele Worte verloren.

Liebe Gemeinde,

was bleibt, ist Dankbarkeit.

Dankbarkeit für einen Menschen,

der Verantwortung übernommen hat,

der andere ermutigt hat,

der Haltung vorgelebt hat

der übrigens immer ausgesprochen höflich war, selbst bei einer kontroversen Auseinandersetzung -

und der sich selber nie zu wichtig genommen hat.

Viele von uns können sagen:

Albert Rathjen hat unseren Weg ein Stück begleitet.

Mit Rat.

Mit Klarheit.

Mit Vertrauen.

Ich bin dankbar, dass ich ein Stück dieses Weges mit ihm gehen durfte.

Unsere Gedanken sind heute bei Dir, liebe Margarethe.

Wir teilen Deine Trauer.

Und wir sagen Danke für das Leben von Albert Rathjen.

Er hat Spuren hinterlassen. Nicht laut, aber tief.